Operation Ajax bezeichnet eine historische und in ihrer Art fĂŒr weitere Aktionen beispielgebende CIA/MI6-Operation im Jahr 1953, bei der im Iran der populĂ€re, als Nationalheld gefeierte, demokratisch gewĂ€hlte Premierminister Dr. Mohammad Mossadegh gestĂŒrzt und eine vom Schah Mohammad Reza Pahlavi favorisierte MilitĂ€rregierung installiert wurde. Dadurch wurde die von Mossadegh geplante Verstaatlichung der iranischen Ălindustrie verhindert, die British Petroleum das Monopol verwehrt hĂ€tte.
Geleitet wurde die Aktion von Kermit Roosevelt jr., unterstĂŒtzt durch Donald Wilbur, einem weiteren Agenten der Operation Ajax. Zusammen mit Loy Henderson,[1] dem US-Botschafter im Iran, ĂŒberredeten sie den Schah zum Sturz Mossadeghs. Vorher sah der Schah sich jedoch veranlasst, den Iran zu verlassen. Er floh vorĂŒbergehend ĂŒber Bagdad nach Italien, kehrte jedoch am 22. August 1953 triumphal zurĂŒck â nach dem Sturz Mossadeghs durch General Fazlollah Zahedi.
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Bearbeiten Vorbereitung
Am 6. Juli 1953[2] oder 19. Juli 1953[3] reiste Kermit Roosevelt jr. in den Iran, um sich mit General Fazlollah Zahedi zu treffen. Der Plan zum Putsch gegen Mossadegh, von US-PrĂ€sident Eisenhower abgesegnet, beinhaltete die Bildung einer Widerstandsbewegung (Komitee der 46) unter iranischen Offizieren und Zivilisten, deren Leitung Zahedi ĂŒbernehmen sollte. Ein weiterer US-MilitĂ€r, Oberst Schwarzkopf, reiste am 1. August 1953 nach Teheran, soll jedoch â nach manchen Quellen â Tage spĂ€ter das Land wieder verlassen haben.
âEs war keinesfalls die Absicht der CIAâ, wie der französische Journalist GĂ©rard de Villiers schreibt, âeinen militĂ€rischen Konflikt auszulösenâ, was mit den 900 Mann der amerikanischen MilitĂ€rmission auch nicht möglich gewesen wĂ€re, sondern âden Widerstand gegen Mossadegh zu organisieren und zu koordinierenâ.[4]
Dazu stellte CIA-Chef Allen Welsh Dulles eine Million US-Dollar zur VerfĂŒgung fĂŒr âjedwede MaĂnahmeâ, die geeignet war, âzum Sturz Mossadeghs zu fĂŒhrenâ. Sein Bruder, der US-AuĂenminister John Foster Dulles, ordnete den US-Botschafter in Teheran an, putschwillige Iraner als Helfer zu rekrutieren.[5]
Bearbeiten AusfĂŒhrung
Am 15. August 1953 schien Mossadegh von einem geplanten Putschversuch unterrichtet worden zu sein. Eine am gleichen Tag stattgefundene Belagerung seines Wohnsitzes durch Truppen des Oberst Nematollah Nassiri, dem Leiter der kaiserlichen Palastwache und spÀteren SAVAK-Direktor, wurde von Mossadegh-treuen Truppen verhindert, Nassiri verhaftet, der Putsch faktisch niedergeschlagen. Mossadegh am nÀchsten Morgen in einer Rundfunkansprache:[6]
âIn der vergangenen Nacht wurde ein Staatsstreich gegen die Regierung versucht. Die meisten VerrĂ€ter sind hinter Gittern. Nur Zahedi und einem kleinen Kern konnte die Flucht gelingen. Ich setze eine Belohnung von 500.000 Rial fĂŒr die Ergreifung Zahedis aus. Tod allen VerrĂ€tern!â
Als der Schah erfuhr, dass der Staatsstreich geplatzt war, floh er mit seiner Frau Soraya nach Rom.
Nun wies Kermit Roosevelt jr. offen gewalttĂ€tige MaĂnahmen an: Bezahlte SchlĂ€gerbanden stifteten in Teheran Unruhe und skandierten islamfeindliche und prokommunistische Parolen. Rivalisierende, gleichfalls von Roosevelt finanzierte SchlĂ€ger randalierten im Namen des geflohenen Schahs. Die Vorgesetzten der von Mossadegh alarmierten OrdnungskrĂ€fte waren ebenfalls geschmiert. Am 19. August 1953 (28. Mordad 1332) schlossen sich Polizei- und MilitĂ€reinheiten, deren AnfĂŒhrer wiederum bestochen waren, dem Aufruhr an, stĂŒrmten AuĂenministerium, Polizeizentrale und Hauptquartier des Armee-Generalstabs.[5]
Zudem schlug das Pendel auch aus anderen Richtungen zu Ungunsten Mossadeghs:
- Die Tudeh-Partei und ihr nahe stehende Zeitschriften brachten in Titelzeilen die Schlagzeilen: âDie Macht gehört unsâ sowie âWir fordern die Ausrufung der Republik und die Eröffnung eines Prozesses gegen den Schahâ.[7] Am gleichen Tag wurde von militanten Mitgliedern der Tudeh-Partei das Grabmal Reza Schah Pahlavis in Ray entweiht.
- ParlamentsprĂ€sident Ajatollah Kashani wendete sich gegen Mossadegh. Ayatollah Behbahani, dessen Stellvertreter, warnte in öffentlichen Aufrufen vor der âRoten Gefahrâ, die durch Mossadegh zum Niedergang des Islam fĂŒhren wĂŒrde. Behbahani sollte spĂ€ter die Massen mit den berĂŒhmten Behbahani-Dollars mobilisieren.
- General Teymur Bachtiar, der Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte in Kermanshah, war zu Oberst Nassiri ĂŒbergelaufen und beabsichtigte, mit seinen Truppen in Teheran einzumarschieren. Bachtiar wurde spĂ€ter erster Direktor des SAVAK.
Mossadegh wurde verhaftet, General Fazlollah Zahedi zum MinisterprÀsidenten ernannt, nachdem der Schah auf DrÀngen der CIA am 15. August[3] seine Einwilligung dazu gegeben hatte. Die Pro-Mossadegh-Truppen, die zwar alarmiert waren und wichtige Positionen in Teheran besetzt hatten, verhielten sich neutral bzw. waren nach dem Auftritt Zahedis am Parlamentsplatz auf dessen Seite.
Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Mossadegh-AnhĂ€ngern und Zahedi-Truppen fanden ĂŒberwiegend vor dem Hause Mossadeghs statt und forderten ĂŒber 200 Tote und 300 Verwundete.[8]
Bearbeiten Kosten
Nach de Villiers hat die Operation Wiedereinsetzung des Schah der CIA genau 32,643 Millionen Rial gekostet, was zu jener Zeit einer Summe von 390.000 US-Dollar entsprach.[9]
Bearbeiten Fazit
Die verdeckte Aktion der CIA mehrte den Glauben von der Macht, jederzeit einen Staatsstreich herbeifĂŒhren zu können.[10]
âEs war kein Beweis dafĂŒr, dass die CIA Regierungen stĂŒrzen und Herrscher einsetzen konnte; er war ein Einzelfall, in dem gerade zur richtigen Zeit in der richtigen Weise das richtige Quantum Beihilfe geleistet wurde. Dadurch dass die CIA sich die Gefolgschaft von Soldaten und StraĂengesindel gekauft hatte, konnte sie den Gewaltpegel schaffen, der zur DurchfĂŒhrung eines Putsches ausreichte. Geldsummen wanderten in bestimmte HĂ€nde, und diese HĂ€nde fĂŒhrten einen Regierungswechsel herbei.â
Bearbeiten Einzelnachweise
- â Richard D. McKinzie: Oral History Interview with Loy W. Henderson. In: Truman Library. 14. Juni 1973. Abgerufen am 29. Oktober 2008. (engl.)
- â GĂ©rard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, MĂŒnchen 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 265.
- â a b JĂŒrgen Martschukat: âSo werden wir den Irren los!â. Nr. 34, 14. August 2003 (ZEIT ONLINE ; Stand: 29. Oktober 2008).
- â de Villiers 1976, S. 265
- â a b Rainer Traub: Im Namen der Demokratie. In: Spiegel Special Geschichte. Nr. 3, 29. Juli 2008, S. 57 (PDF ; Stand: 29. Oktober 2008).
- â de Villiers 1976, S. 276
- â de Villiers 1976, S. 286
- â de Villiers 1976, S. 299
- â de Villiers 1976, S. 300
- â Tim Weiner: CIA. Die ganze Geschichte. S. Fischer Verlag, 2008, ISBN 978-3-10-091070-7, S. 136.
Bearbeiten Weblinks
- Royalists Oust Mossadegh; Army Seizes Helm (The New York Times vom 20. August 1953)
- A Country Study: Iran (Library of Congress LĂ€nderstudie)
