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Mohammad Mossadegh

Mohammad Mossadegh (persisch Ù…Ű­Ù…ŰŻ Ù…Ű”ŰŻÙ‚â€Ž moɊÊˈmːÊd mosÊˈdːeÎł), eigentlich: Mohammad Hedayat (persisch Ù…Ű­Ù…ŰŻ Ù‡ŰŻŰ§ÛŒŰȘ‎ moɊÊˈmːÊd hedɔːˈjĂŠt), (* 19. Mai oder 16. Juni 1882 in Teheran;[1] † 5. MĂ€rz 1967 in Ahmad Abad, Iran) war von 1951 bis 1953 Premierminister des Iran und gilt in vielen LĂ€ndern als Symbol des Antiimperialismus.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Leben und politische Laufbahn

Mohammad Hedayat wurde als Sohn des Mirza Hedayat, eines Finanzministers unter dem Kadscharen-Schah und einer Kadscharen-Prinzessin um 1882 geboren. Bereits im Alter von 15 Jahren soll Mohammad als Finanzinspektor in die Provinz entsandt worden sein.[2] Nach Angaben von de Villiers soll der Schah von seinen FĂ€higkeiten so begeistert gewesen sein, dass der ihm den Namen Mossadegh („Er wurde geprĂŒft und fĂŒr gut befunden“) gab.

Mit 18 Jahren wurde er nach Frankreich zur Ausbildung geschickt, wo er spĂ€ter als Jurist promovierte. 1916 kehrte er nach Teheran zurĂŒck und wurde UnterstaatssekretĂ€r im Finanzministerium, 1922 zum Finanzminister ernannt. Mit dem neuen Schah Reza Schah Pahlavi ĂŒberwarf sich Mossadegh – er stimmte als einer der wenigen gegen seine Ernennung zum Schah – und wurde 1928 aus allen politischen Ämtern gedrĂ€ngt. 1944 zog er in das neu gewĂ€hlte iranische Parlament (Majlis) ein und wurde durch seine AktivitĂ€ten fĂŒr die Nationale Front bekannt.

Bearbeiten Iranischer Premierminister

Bearbeiten 1951

Mohammad Mossadegh (1951)

Am 29. April 1951 ernannte der Schah Mossadegh zum Premierminister, nachdem am 7. MĂ€rz 1951 ein tödliches Attentat auf Premierminister Haj Ali Razmara begangen worden war – sein Nachfolger Hossein Ala' hatte das Amt nur ĂŒbergangsweise inne. Neun Tage spĂ€ter wurde Mossadegh vom Parlament mit 99 zu 3 Stimmen im Amt bestĂ€tigt.[3] Bereits am 30. April 1951, noch vor seiner BestĂ€tigung, ließ Mossadegh vom Parlament das Gesetz zur Verstaatlichung der iranischen Erdölfelder verabschieden. Mossadegh war ein entschiedener BefĂŒrworter dieser Maßnahme. Auslöser war der von Großbritannien gefĂŒhrte internationale Ölkonzern Anglo-Iranian Oil Company (AIOC, spĂ€ter umbenannt in BP), der das ÖlgeschĂ€ft des Landes beherrschte und sich weigerte, die Gewinne aus dem ÖlgeschĂ€ft in von iranischer Seite gefordertem Umfang zu teilen. Nach dem Abkommen vom 29. April 1933, das eine Laufzeit von 60 Jahren hatte, belief sich der persische Anteil am Gewinn auf 20 %.

Die AIOC stimmte nach dem Bekanntwerden dieses Gesetzes zur Verstaatlichung einem Schiedsverfahren vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu. Den Vergleichsvorschlag der Gesellschaft vom 19. Juni 1951 lehnte Mossadegh ab. Die britische Regierung wandte sich danach an den UN-Sicherheitsrat, der am 1. Oktober 1951 beschloss, die Beschwerde der Briten gegen den Iran aufzunehmen und zu prĂŒfen.

Das Nachrichtenmagazin Time kĂŒrte Mossadegh 1951 zum Man of the Year.

Bearbeiten 1952

Das Urteil des Internationalen Gerichtshofes vom 5. Juli 1952 gab der britischen Gesellschaft teilweise recht, drei Tage spÀter erklÀrte Mossadegh den Austritt aus diesem Gremium. Die Behandlung des Falles vor dem UN-Sicherheitsrat wurde durch das Veto der UdSSR, am 19. Oktober 1952, auf unbestimmte Zeit verschoben.

Großbritannien reagierte mit der AnkĂŒndigung, fortan keine Ölexporte aus Iran mehr zuzulassen und errichtete mit Kriegsschiffen eine Seeblockade im Persischen Golf. Die dadurch entfallenden Einnahmen aus dem ÖlgeschĂ€ft, auch verursacht durch das Fehlen einer ausreichenden Anzahl einheimischer Techniker zum Betrieb der Anlagen, verursachten eine wirtschaftliche Krise in Iran (Abadan-Krise).

Angesichts der wirtschaftlichen wie auch zunehmend politischen Krise beschloss Mossadegh im Juli 1952, vom Schah weitere Notstandsrechte einzufordern. Insbesondere seine Forderung, auch das Kriegsministerium zu ĂŒbernehmen, stieß beim Schah auf entschiedenen Widerstand; der Schah verweigerte sich, und Mossadegh reichte am nĂ€chsten Tag seinen RĂŒcktritt ein.

Am 16. Juli 1952 wurde Ahmed Qavam neuer MinisterprĂ€sident, der sofort seine Absicht bekannt gab, Verhandlungen mit Großbritannien aufnehmen zu wollen, um den Boykott zu beenden. Diese Umkehr der zuvor verfolgten Politik weckte auch in der iranischen Öffentlichkeit Widerspruch und fĂŒhrte zu massiven Protesten von AnhĂ€ngern verschiedenster Strömungen; von Kommunisten ebenso wie von den von Ajatollah Kashani gefĂŒhrten Klerikern.

Die auch aufgrund der Angriffe Ayatollah Kashanis gegen den aktuellen Premierminister Qavam entfachten Unruhen vom 20./22. Juli 1952 in Teheran fĂŒhrten zum Eingreifen der Armee, die wahllos in die Menge schoss. Ahmed Qavam erklĂ€rte daraufhin am 21. Juli 1952 seinen RĂŒcktritt.

Am 22. Juli 1952 beschloss das Parlament mit 61 zu 3 Gegenstimmen die Wiedereinsetzung Mossadeghs. Der Schah musste nachgeben, und Mossadegh bekam nicht nur die ihm verweigerte Vollmacht ĂŒber die Armee, sondern auch eine auf sechs Monate ausgestellte unbeschrĂ€nkte Vollmacht. Ajatollah Kashani wurde zum ParlamentsprĂ€sidenten ernannt; obwohl das VerhĂ€ltnis nicht reibungsfrei war wurden er und seine AnhĂ€nger sowie die kommunistische Tudeh-Partei nun zu Mossadeghs wichtigsten VerbĂŒndeten.

Die katastrophale Lage durch den Boykott, die HĂ€lfte der Staatseinnahmen des Iran stammte aus dem Erdöl, fĂŒhrte im Oktober 1952 zu den ersten Unruhen.

Bearbeiten 1953

Trotz der angespannten Lage wurde Mossadegh bei den Wahlen am 24. Januar 1953 in seinem Amt bestĂ€tigt. Sich seiner PopularitĂ€t im Land bewusst, ließ Mossadegh sich vom Parlament nun weitergehende Rechte einrĂ€umen.

Nachdem am 2. August 1953 Mossadegh die Kontrolle ĂŒber die königlichen PalĂ€ste ĂŒbernommen hatte, wurde dem Schah nicht mehr gestattet, ohne vorherige Erlaubnis des MinisterprĂ€sidenten Besucher zu empfangen.[4]

Ein am 3. August 1953 abgehaltenes Referendum zur Auflösung des Parlaments brachte Mossadegh eine ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit. Der Schah verließ daraufhin am 11. August 1953 Teheran in Richtung Ramsar am Kaspischen Meer – angeblich eine geplante Urlaubsreise; am 16. August 1953 flog er zu einem Zwischenaufenthalt nach Bagdad, am 18. August 1953 nach Rom, am 22. August – nach dem Putsch vom 19. August – zurĂŒck.

Bearbeiten Der Putsch 1953

→ Hauptartikel: Operation Ajax

In seiner Regierungszeit versuchte Mossadegh eine Reihe sozialistisch orientierter Reformen umzusetzen; darunter eine Landreform, die das Jahrhunderte alte Feudalsystem beendete und durch kollektive Landwirtschaftsbetriebe und staatlichen Grundbesitz ersetzte.

Die VerĂ€nderungen im Iran zogen nun die Aufmerksamkeit der US-Regierung auf das Land. Die Vereinigten Staaten sahen durch die Gefahr einer Einflussnahme der Sowjetunion ĂŒber die Tudeh-Partei, wie auch durch die Verstaatlichungen, ihre Interessen gefĂ€hrdet.

Am 4. April 1953 billigte der CIA-Direktor Allen W. Dulles ein Budget von einer Million US-Dollar, die dazu verwendet werden sollten, Mossadegh zu stĂŒrzen (“in any way that would bring about the fall of Mossadegh”). Mit dieser Geheimdienstoperation gelang es der CIA in Zusammenarbeit mit dem Schah, monarchistischen und klerikalen Gruppen, gefĂŒhrt vom General im Ruhestand Fazlollah Zahedi, am 19. August 1953 MinisterprĂ€sident Mossadegh aus dem Amt zu entfernen. Auf DrĂ€ngen der CIA hatte der Schah nach langem Zögern am 15. August eingewilligt, per Dekret den frĂŒheren Senator und Innenminister sowie Armee-General Fazlollah Zahedi zum neuen MinisterprĂ€sidenten zu ernennen.

Bearbeiten Ende

Mossadegh, der sich nach dem Putsch in sein Privathaus zurĂŒckzog, wurde von ihm ergebenen Offizieren bewacht. Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Mossadegh-AnhĂ€ngern und Zahedi-Truppen fanden ĂŒberwiegend vor dem Hause Mossadeghs statt und forderten ĂŒber 200 Tote und 300 Verwundete.[5] FĂŒnf Tage nach dem Putsch bot Mossadegh General Zahedi telefonisch seine Kapitulation an. Mossadegh wurde von Zahedi mit den Worten: „Ich will Ihnen nichts Böses. Sie werden einen fairen Prozess bekommen“ verhaftet und in einer Kaserne inhaftiert.

Sowohl der General als auch der am 22. August vom selbst auferlegten Exil in Rom zurĂŒckgekehrte Schah zollten dem ehemaligen Volkshelden Respekt und begegneten dem einstigen WeggefĂ€hrten und spĂ€teren Widersacher mit Milde. Der wegen Hochverrats vor ein MilitĂ€rtribunal gestellte Mossadegh wurde nicht zum Tode verurteilt, sondern lediglich zu drei Jahren GefĂ€ngnis in Einzelhaft. Im Dezember 1956 aus der Haft entlassen, zog sich Mossadegh in sein Privathaus in Karpur Abal zurĂŒck; dort stand er bis zu seinem Tode am 5. MĂ€rz 1967 unter Hausarrest. Der Schah schickte nach dessen Haftentlassung, so de Villiers, einen BevollmĂ€chtigten, um Mossadegh zu ermahnen, sich aus der Politik herauszuhalten. Die Antwort Mossadeghs:[6]

„Ich wĂ€re ganz schön verrĂŒckt, mich um ein Volk zu kĂŒmmern, das mich in der Not im Stich gelassen hat!“

Bearbeiten Einzelnachweise

  1. ↑ Mohammad Mossadegh - Born June 16, 1882. In: The Mossadegh Project. Abgerufen am 4. November 2008. (engl.)
  2. ↑ GĂ©rard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, MĂŒnchen 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 235.
  3. ↑ de Villiers 1976, S. 230
  4. ↑ de Villiers 1976, S. 271
  5. ↑ de Villiers 1976, S. 299
  6. ↑ de Villiers 1976, S. 318

Bearbeiten Weblinks